top of page

Jobsuche in Norwegen

21. juli
5 min lesing

Warum sie oft schwierig ist und wie sie trotzdem gelingt



Der Traum vom Leben in Norwegen ist für viele schnell gefasst, die passende Arbeitsstelle dagegen oft nicht. Viele Auswanderer stellen fest, dass sich der norwegische Arbeitsmarkt in einigen Punkten deutlich vom deutschen unterscheidet. Gute Sprachkenntnisse, persönliche Kontakte und ein Verständnis für die norwegische Arbeitskultur spielen häufig eine größere Rolle als formale Qualifikationen.


In diesem Artikel erfährst du, welche Voraussetzungen für einen längeren Aufenthalt gelten, wie du eine D-Nummer oder Personennummer erhältst und worauf du bei der Jobsuche und Bewerbung in Norwegen achten solltest.


Sprachkenntnisse vereinfachen die Jobsuche enorm
Sprachkenntnisse vereinfachen die Jobsuche enorm

Wann darf ich mich in Norwegen aufhalten?


Als Bürgerin oder Bürger eines EU- oder EWR-Staates kannst du ohne Visum nach Norwegen einreisen. Für Aufenthalte von bis zu drei Monaten sind in der Regel keine weiteren Formalitäten erforderlich. Wer aktiv auf Jobsuche ist, darf sich sogar bis zu sechs Monate im Land aufhalten, sofern die Voraussetzungen der Freizügigkeit erfüllt sind.


Möchtest du länger in Norwegen bleiben, etwa zum Arbeiten oder Studieren, musst du dein Aufenthaltsrecht registrieren lassen. Die Registrierung erfolgt bei der norwegischen Polizei. Dort werden unter anderem ein gültiger Reisepass oder Personalausweis, gegebenenfalls ein Mietvertrag sowie Nachweise über den Aufenthaltszweck verlangt, beispielsweise ein Arbeitsvertrag oder eine Immatrikulationsbescheinigung. Den Termin kannst du online buchen, sobald du in Norwegen eingereist bist. Nach erfolgreicher Registrierung erhältst du eine Bestätigung über dein Aufenthaltsrecht.


Tipp: Einige Behörden bevorzugen einen Reisepass, da auf deutschen Personalausweisen seit der Reform kein Geschlecht mehr angegeben ist. Mit einem Reisepass lassen sich mögliche Rückfragen vermeiden.


D-Nummer oder Personennummer – was ist der Unterschied?


Wer in Norwegen arbeitet oder länger dort lebt, benötigt eine norwegische Identifikationsnummer.


Die D-Nummer


Die D-Nummer ist für Personen gedacht, die sich vorübergehend in Norwegen aufhalten, beispielsweise für Saisonarbeit oder einen Arbeitsvertrag von begrenzter Dauer. Mit einer D-Nummer kannst du unter anderem:


  • Steuern zahlen,

  • ein Bankkonto eröffnen,

  • eine norwegische Telefonnummer erhalten,

  • sowie verschiedene Behördenleistungen nutzen.


Der Zugang zu staatlichen Dienstleistungen ist jedoch eingeschränkt.


Die Personennummer


Wer dauerhaft oder längerfristig in Norwegen lebt, erhält eine Personennummer. Sie entspricht der persönlichen Identifikationsnummer norwegischer Staatsbürger und ermöglicht den uneingeschränkten Zugang zu Behörden und öffentlichen Dienstleistungen. Voraussetzung ist in der Regel ein Arbeitsvertrag mit einer Dauer von mehr als sechs Monaten oder die Immatrikulation in einem vollständigen Studiengang, beispielsweise einem Bachelor- oder Masterstudium.


Wie beantrage ich die Nummer?


Wichtig ist: Den Nachweis für deinen Aufenthaltsgrund musst du bereits vor der Beantragung besitzen. Das bedeutet, dass du zunächst einen Studienplatz oder einen Arbeitsvertrag benötigst. Die Beantragung erfolgt in den meisten Fällen beim norwegischen Finanzamt (Skatteetaten). Für Selbstständige gelten teilweise andere Regelungen; sie müssen ihr Unternehmen zusätzlich beim Brønnøysundregister anmelden. Sobald dir deine D-Nummer oder Personennummer zugeteilt wurde, gibst du diese deinem Arbeitgeber, damit das Arbeitsverhältnis offiziell registriert werden kann.


Warum ist die Jobsuche oft schwierig?


Viele Auswanderer stehen zunächst vor einem scheinbaren Widerspruch: Für die Identifikationsnummer benötigt man einen Arbeitsvertrag – für einen Arbeitsvertrag wünschen sich viele Arbeitgeber jedoch bereits eine Identifikationsnummer oder einen Wohnsitz in Norwegen. Hinzu kommt, dass Bewerbungen aus dem Ausland häufig weniger erfolgreich sind als Bewerbungen von Personen, die bereits vor Ort sind. Deshalb kann die erste Jobsuche etwas Geduld erfordern.


Wo finde ich Stellenangebote?


Die wichtigste Plattform für Stellenanzeigen ist Finn.no. Dort veröffentlichen sowohl private Unternehmen als auch öffentliche Arbeitgeber ihre offenen Stellen. Für Positionen, bei denen wenig oder kein Norwegisch erforderlich ist, werden viele Anzeigen zusätzlich auf Englisch veröffentlicht. Für Stellen im öffentlichen Dienst wird häufig Jobbnorge.no genutzt. Dort findest du unter anderem Jobs in Schulen, Kindergärten, Hochschulen, Krankenhäusern und Verwaltungen. Für diese Tätigkeiten werden meist Norwegischkenntnisse auf mindestens B1- bis C1-Niveau verlangt.


Welche Chancen haben Ausländer auf dem norwegischen Arbeitsmarkt?


Gerade zu Beginn kann es schwierig sein, im eigenen Beruf Fuß zu fassen. Viele Stellen, insbesondere in verantwortungsvollen Positionen oder in der Privatwirtschaft, werden über persönliche Kontakte vergeben. Zwar müssen die meisten Stellen öffentlich ausgeschrieben werden, häufig steht der Wunschkandidat jedoch bereits fest. Empfehlungen und persönliche Eindrücke haben in Norwegen einen sehr hohen Stellenwert. Wer neu im Land ist und noch kein Netzwerk aufgebaut hat, startet deshalb oft mit einem Nachteil.

Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Sprachkenntnisse. Selbst wenn eine Stelle offiziell keine Norwegischkenntnisse voraussetzt, werden Bewerber mit zumindest grundlegenden Sprachkenntnissen häufig bevorzugt. Sie signalisieren Integrationsbereitschaft und erleichtern die Zusammenarbeit im Team. Deshalb lohnt es sich, möglichst früh mit dem Norwegischlernen zu beginnen. Bereits Sprachkenntnisse auf B1-Niveau verbessern die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erheblich.


Welche Jobs eignen sich besonders für Einsteiger?


Die gute Nachricht ist: Auch ohne perfekte Norwegischkenntnisse gibt es Möglichkeiten. Vor allem im Tourismus werden regelmäßig deutsch- und englischsprachige Mitarbeiter gesucht, beispielsweise in Hotels, bei Reiseveranstaltern oder in Touristinformationen. Gerade in Städten wie Oslo, Bergen oder Trondheim finden sich außerdem viele Stellen in der Gastronomie.

Wer bereits etwas Norwegisch spricht, hat zusätzlich gute Chancen im öffentlichen Bereich. Besonders Kindergärten, Schulen und Betreuungseinrichtungen suchen regelmäßig neues Personal. Je nach Kommune werden hierfür Norwegischkenntnisse auf B1- oder B2-Niveau verlangt.


Worauf sollte ich bei einer Bewerbung achten?


Eine norwegische Bewerbung besteht in der Regel aus:


  • Lebenslauf,

  • Motivationsschreiben,

  • sowie den erforderlichen Nachweisen, beispielsweise über Sprachkenntnisse oder Abschlüsse.


Im Vergleich zu Deutschland dürfen Lebenslauf und Anschreiben etwas persönlicher sein. Ein kurzer Abschnitt über Hobbys oder Interessen ist durchaus üblich.


Besonders wichtig sind Referenzen. Statt ausführlicher Arbeitszeugnisse möchten viele Arbeitgeber lieber direkt mit ehemaligen Vorgesetzten oder Kollegen sprechen. Deshalb solltest du ein oder mehrere Referenzpersonen mit Namen, Position, E-Mail-Adresse und Telefonnummer angeben – natürlich nur, nachdem du sie vorher gefragt hast.


Das Bewerbungsgespräch in Norwegen


Viele Bewerbungsgespräche beginnen mit einer einfachen Frage: „Wer bist du?”

Gemeint ist dabei meist nicht dein beruflicher Werdegang, sondern deine Persönlichkeit. Arbeitgeber interessieren sich zunächst dafür, wie du als Mensch bist und ob du gut ins Team passt. Gespräche über Hobbys, Reisen oder Freizeitaktivitäten gehören deshalb oft genauso dazu wie die klassischen Fragen zu Berufserfahrung und Qualifikationen.


Insgesamt läuft vieles etwas informeller ab als in Deutschland. Zwar werden alle wichtigen Punkte vertraglich festgehalten, viele Absprachen erfolgen jedoch zunächst mündlich. Vertrauen spielt im norwegischen Arbeitsleben eine große Rolle. Falls dir eine schriftliche Bestätigung lieber ist, kannst du selbstverständlich danach fragen. Das ist in der Regel kein Problem


Fazit


Die Jobsuche in Norwegen kann anfangs herausfordernd sein. Wer jedoch Geduld mitbringt, frühzeitig Norwegisch lernt und sich ein Netzwerk aufbaut, verbessert seine Chancen erheblich. Mit den richtigen Erwartungen und einer guten Vorbereitung steht einem erfolgreichen Start in Norwegen nichts im Weg.


Wenn du Norwegisch lernen möchtest, um deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, oder eine individuelle Beratung rund um das Leben und Arbeiten in Norwegen wünschst, kannst du gerne einen Termin über meine Website buchen oder mir eine E-Mail an booking@franksmannfjordfjell.de schreiben.


Viel Erfolg bei deiner Jobsuche – lykke til!

bottom of page